Alt und Neu sind die ewigen, unumstößlichen Pole aller Wahrnehmung und aller Orientierung in der Welt.

Ohne das Alte kommen wir nicht aus, weil sich mit ihm unsere ganze Vergangenheit, unsere Weisheit, unsere Erinnerungen, unsere Traurigkeit, unser Realitätssinn verbinden.

Ohne den Glauben an das Neue kommen wir nicht aus, weil sich mit dem Neuen unsere Tatkraft, unsere Fähigkeit zum Optimismus, unser blindes biologisches Sehnen, unsere Fähigkeit zu vergessen verbinden - diese heilsame Fähigkeit, ohne die Versöhnung nicht möglich ist.


(Susan Sontag, Auszug aus ihrer Rede anläßlich der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels in der Frankfurter Paulskirche 2003-10-12)